Lympherkrankungen

Geschwollene Körperteile

Sie haben ein dickes Bein oder einen geschwollenen Arm? Wenn der Lymphabfluss gestört ist, kommt es zu einem Lymphödem und somit zu Komplikationen und Unannehmlichkeiten. Aber was sind die Ursachen eines gestörten Lymphabflusses und was sind die Folgen davon? Das erfahren Sie hier. Zusätzlich werden die 3 häufigsten Ursachen, die zu einem Lymphödem führen können, besprochen.

Das Lymphsystem - Funktion

Eigentherapie bei Tennisellbogen

Das Lymphsystem ist ein komplex aufeinander abgestimmtes System, welches dafür sorgt, dass die Flüssigkeit, die sich im Gewebe zwischen den Zellen befindet (die Lymphe oder Lymphflüssigkeit), abgeführt wird. Im Normalfall findet im Körper ein ständiger Austausch von Flüssigkeit statt. Flüssigkeit gelangt über das venöse System, sprich die Blutgefässe, ins Gewebe. Lymphgefässe wiederum nehmen diese Flüssigkeit aus dem Gewebe auf und transportieren sie ab. Dieser Flüssigkeitsaustausch ist wichtig, um das Gewebe zu ernähren aber auch, um Abfallstoffe abzutransportieren.

Wenn es aufgrund eines gestörten Lymphabflusses zu einer Schwellung kommt, spricht man in der Medizin von einem Lymphödem. Ein Lymphödem ist eine Folge einer mechanischen Insuffizienz des Lymphgefässsystems. Dies bedeutet, dass entweder die Transportkapazität des Lymphsystems stark herabsetzt ist oder sich zu viel Flüssigkeit im Gewebe befindet (erhöhte Lymphbildung). In beiden Fällen ist das Lymphsystem nicht mehr in der Lage, den Abtransport der vorhandenen Flüssigkeit zu bewältigen und es bleibt Flüssigkeit im Gewebe liegen. Dies ist dann als Schwellung sichtbar.

Ein Lymphödem kann also auf verschiedene Arten zustanden kommen:

  • Organisch (Die Ursache liegt ausserhalb des Lymphsystems, zum Beispiel durch eine Thrombose, schwache Venen oder auch als Folge einer Wundheilung)
  • Funktionell (Das Lymphsystem selbst funktioniert nicht so wie es sollte)
  • Eine Kombination aus organisch und funktionell

Somit kann sowohl die Lymphbildung wie auch der Lymphtransport gestört sein.

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Von SEER - U.S. National Cancer Institute's Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER) Program

Zwei Arten von Lymphödemen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Lymphödemen: Ein primäres und ein sekundäres Lymphödem, welche durch eine mechanische Insuffizienz des Lymphgefässsystems hervorgerufen werden.

Bei einem primären Lymphödem handelt es sich um eine angeborene Störung des Systems. Dabei muss es nicht immer so sein, dass schon direkt nach der Geburt ein Lymphödem sichtbar ist. Oft entsteht es erst im jungen Erwachsenenalter.

Ein sekundäres Lymphödem entsteht durch Einflüsse von ‘aussen’. Ein sekundäres Lymphödem entsteht zum Beispiel nach einer Operation, wenn Lymphknoten entfernt wurden (zum Beispiel bei Krebserkrankungen) oder wenn durch eine Operation oder ein Unfall Lymphgefässe verletzt wurden. Bestrahlungen oder Infektionen können ebenfalls Ursache eines sekundären Lymphödems sein, sowie auch eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI).

Lymphödem bei einer Krebserkrankung

Viele Krebspatienten werden operiert und/ oder bestrahlt. Beide Therapieformen können zu Komplikationen führen im Sinne eines sekundären Lymphödems.

Bei einer Tumorerkrankung können sich Tumorzellen über das Lymphsystem im Körper ausbreiten. Besteht der Verdacht, dass der Tumor bereits ins Lymphsystem gestreut hat, werden operativ ein paar oder alle Lymphknoten entfernt. Je weniger Lymphknoten es in einem bestimmten Körperbereich gibt, desto weniger Gewebeflüssigkeit kann abtransportiert werden.

Bei Bestrahlungen wird manchmal das Lymphsystem beeinträchtigt, indem die Lymphgefässe vernarben. Denn eine Bestrahlung ist sehr intensiv und beeinflusst nicht nur die Krebszellen, sondern auch die umliegenden Strukturen.

Wenn die Gewebeflüssigkeit (Lymphe) durch die Folgen einer Operation und/ oder Bestrahlung nicht mehr ausreichend abtransportiert werden kann, staut sie sich im Gewebe und es entsteht eine Schwellung, also ein Lymphödem.

Je nach Ausmass der Beeinträchtigung des Systems, kann der Körper jedoch auch kompensieren und es entsteht nicht zwingend ein Lymphödem.

Lymphödem bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

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Bei einer Herzschwäche ist die Pumpleistung des Herzens reduziert. Als Folge davon kann ein sekundäres Lymphödem entstehen. Eine Herzschwäche kann bei vielen Krankheiten auftreten (Herzinfarkt, Klappenfehler). Je nachdem welche Herzkammer betroffen ist, unterscheidet man zwischen einer Rechtsherzschwäche und einer Linksherzschwäche.

Bei einer Linksherzinsuffizienz pumpt die linke Herzkammer nicht genügend Blut in den Körper. Weil mehr Blut aus der Lunge zum Herz gepumpt wird dieses in den Körper weiterpumpt, staut sich das Blut in die Lunge zurück. Dadurch steigt der Blutdruck in der Lunge, Flüssigkeit wird aus den Blutgefässen ins Gewebe der Lunge gepresst und es kann sich ein Lungenödem bilden.

Zudem ist wird nicht genügend Blut in den Körper ausgeworfen, was bedeutet, dass Organe, wie zum Beispiel die Nieren, nicht ausreichend durchblutet sind. Eine schlecht durchblutete Niere kann nicht gut arbeiten, wodurch der Körper weniger Salz und Wasser ausscheidet. Durch das Zurückhalten von Salz und Wasser können wiederum Ödeme im Körper entstehen.

Im Falle einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Pumpleistung der rechten Herzkammer vermindert. Dabei kann das Herz die Menge an Blut welche aus dem Körper ins Herz zurück fliesst nicht weiterbefördern. Das führt dazu, dass das Blut sich vor dem Herzen staut und es zu einem erhöhten Blutdruck in den Venen kommt. Durch diesen hohen Druck in den Venen strömt mehr Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe. Diese grosse Menge an Flüssigkeit kann nicht restlos vom Lymphsystem abtransportiert werden und bleibt dadurch im Gewebe liegen. Die Flüssigkeit sammelt sich dort an, wo die Schwerkraft sie hinzieht. Im Liegen auf dem Rücken ist das im Steissbeingebiet und bei aktiven, sitzenden oder stehenden Menschen, ist das meistens in den Beinen.

Lymphödem bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz)

Venenschwäche wird auch CVI: Chronische venöse Insuffizienz genannt. Bei der CVI sind die Venen anlagebedingt schwächer (von Geburt an) oder sie werden schwächer durch einen anhaltend hohen Blutdruck. Dieser erhöhte Druck in den Venen kann zum Beispiel durch langes Sitzen oder Bewegungsmangel entstehen. Durch die Muskelinaktivität ist die sogenannte Muskelpumpe weniger effektiv, was bedeutet, dass das in den Venen vorhandene Blut nicht mehr gut in Richtung Herz transportiert wird und sich in den Venen staut. Der erhöhte Venendruck führt dazu, dass sich die Venen immer weiter ausdehnen und die Venenklappen nicht mehr gut verschliessen. Wenn diese Klappen nicht gut schliessen, kann das Blut nicht effizient zum Herzen befördert werden und das Blut staut immer mehr in den Venen. An der Hautoberfläche sind diese überdehnten gestauten Venen als Besenreisser oder Krampfadern sichtbar.

Als Folge dieses Blutstaus in den Venen wird vermehrt Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe gepresst. Diese Flüssigkeit im Gewebe ist wiederum als Schwellung, also als Lymphödem sichtbar. Ist die CVI weit fortgeschritten, zeigen sich zusätzlich zum Lymphödem auch Veränderungen an der Haut und es kann ein Ulkus entstehen (im Volksmund bekannt als «offene Beine»).

Merel van de Weem

Physiotherapeutin bei Physio Station